In jedem Homelab sammeln sich mit der Zeit eine Handvoll produktiver Container und Serversysteme an. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man eine geeignete Monitoringlösung benötigt, um die Auslastung und den Zustand der eigenen Infrastruktur im Blick zu behalten. Checkmk oder Prometheus mit Grafana sind für solche Szenarien allerdings schnell überdimensioniert.
Installation, Konfiguration und Einarbeitung können einiges an Zeit in Anspruch nehmen. Genau hier kommt Beszel ins Spiel: eine schlanke Monitoringlösung, die sich unkompliziert per Container betreiben lässt und wichtige Systemmetriken sowie den Ressourcenverbrauch einzelner Container übersichtlich darstellt. In diesem Artikel verrate ich dir, wie ich Beszel in meiner Umgebung nutze.
Für wen eignet sich Beszel?

Beszel besteht aus zwei Komponenten: einer zentralen Weboberfläche, dem sogenannten Hub, und den Agents, die auf den zu überwachenden Systemen laufen. Die Agents lassen sich entweder als Container oder direkt als Binary auf dem zu überwachenden System betreiben. Möchtest du auch Systemd-Dienste monitoren, ist die Binary-Variante alternativlos.
Beszel richtet sich primär an Homelabs und kleinere Serverumgebungen, in denen eine schlanke und unkomplizierte Monitoringlösung ausreicht. Eine wichtige Einschränkung ist allerdings die fehlende SNMP-Unterstützung. Netzwerkgeräte wie Switches, Firewalls und Wireless Access Points lassen sich mangels SNMP-Unterstützung nicht überwachen.
Das Gleiche gilt für Hardware-Managementcontroller wie Dell iDRAC oder HPE iLO, über die sich beispielsweise der Zustand von Serverkomponenten überwachen lässt. Auch für andere SNMP-fähige Geräte, beispielsweise USV-Anlagen, muss ich auf eine separate Monitoringlösung zurückgreifen. Für die meisten Homelabber sollte dies aber keine Einschränkung darstellen.
Beszel ist besonders interessant, wenn du:
- mehrere Linux-Server zentral überwachen möchtest,
- den Ressourcenverbrauch einzelner Docker-Container vergleichen willst,
- historische Messwerte ohne großen Konfigurationsaufwand auswerten möchtest,
- einfache Benachrichtigungen per E-Mail oder Webhook einrichten magst,
- eine schlanke, containerisierte Monitoringlösung bevorzugst.
Beszel ist hingegen die falsche Wahl, wenn du:
- eigene Custom Checks zur Überwachung individueller Dienste und Prozesse erstellen möchtest,
- eine umfangreich konfigurierbare Monitoringplattform mit individuellen Prüfungen und Metriken benötigst,
- SNMP-Monitoring für Netzwerkgeräte und Hardware-Managementcontroller voraussetzt.
💡 Benachrichtigungen: Auf altbackene E-Mails musst du dich hier zum Glück nicht beschränken. Sowohl Push-Benachrichtigungen als auch Webhooks werden hier unterstützt. Gotify kannst du beispielsweise ganz einfach anbinden und dir Meldungen direkt aufs Smartphone schicken lassen.
Was lässt sich alles überwachen?

Mit Beszel hast du die wichtigsten Kennzahlen deiner Server und Container im Blick. Welche Metriken sich damit überwachen lassen, zeige ich dir im Folgenden:
- CPU-Auslastung: Prozessorlast des Hostsystems sowie einzelner Docker- und Podman-Container.
- Arbeitsspeicher: RAM- und Swap-Nutzung, einschließlich des ZFS ARC.
- Festplatten: Speicherplatzbelegung, I/O-Operationen und Durchsatz für mehrere Partitionen und Geräte.
- Netzwerk: Netzwerkverkehr des Hostsystems und einzelner Container.
- Systemlast: Load Average zur Beurteilung der aktuellen Systemauslastung.
- Temperatur und Lüfterdrehzahl: Erfassung unterstützter Hardwaresensoren unter Linux.
- GPU: Auslastung und Leistungsaufnahme unterstützter NVIDIA-, AMD- und Intel-Grafikprozessoren.
- Akkustand: Überwachung des Akkuladestands des Hostsystems und unterstützter Peripheriegeräte.
- Containerstatus: Status und Ressourcennutzung laufender Docker- und Podman-Container.
- Festplattengesundheit: SMART-Daten, Verschleißinformationen unterstützter eMMC-Datenträger und Status von Linux-MD-RAID-Arrays.
- ZFS: Pool-Auslastung, Speicherplatzbelegung, Zustand, I/O-Durchsatz, Scrub-Status und Speicherverbrauch einzelner Datasets.
- Netzwerkchecks: Überwachung von Erreichbarkeit, Antwortzeiten und Paketverlusten mittels ICMP, TCP, HTTP und DNS.
Damit hast du mit Beszel schon ziemlich viel von dem im Blick, was im Homelab so anfällt. Neben der Auslastung deiner Server und Container kannst du auch den Zustand deiner Festplatten und ZFS-Pools überwachen – praktisch, wenn du beispielsweise Proxmox oder TrueNAS mit ZFS betreibst. In Beszel steckt viel Herzblut und Weitsicht.
Du kannst beispielsweise einen universellen Agent-Token erstellen. Damit registrieren sich neue Agents automatisch beim Hub. Du musst die Systeme also nicht vorher manuell anlegen. Außerdem unterstützt Beszel Heartbeats: Dabei werden regelmäßig ausgehende Pings an einen externen Überwachungsdienst gesendet. So kannst du prüfen, ob dein Monitoring noch erreichbar ist.
Lohnt sich der Einsatz von Beszel?

Ich bin von Beszel ziemlich begeistert. Die Oberfläche ist übersichtlich, die Einrichtung geht schnell und neben den üblichen Systemmetriken lassen sich auch ausstehende Updates und Journalctl-Logs anzeigen. Damit bekommt man schon eine Menge nützlicher Informationen über seine Systeme, ohne gleich eine umfangreiche Monitoringlösung wie Checkmk aufsetzen zu müssen.
Ganz ohne Handarbeit geht es allerdings nicht, wenn du tiefer in die Überwachung einsteigen möchtest. Ein gutes Beispiel sind SMART-Werte von Festplatten: Damit diese erfasst werden können, musst du die Docker-Compose-Konfiguration des Agents anpassen und zusätzliche Programme wie smartctl installieren. Je nach Setup kann es auch notwendig sein, die Systemd-Unit des Agenten anzupassen.
Für erfahrene Linux-Administratoren sind das keine großen Hürden. Du solltest aber nicht erwarten, dass jede Funktion sofort nach der Installation ohne weitere Konfiguration zur Verfügung steht. Unterm Strich ist Beszel für mich eine richtig gute Monitoringlösung fürs Homelab.
Wenn du mehrere Server und Container im Blick behalten möchtest, ohne dich erst durch eine komplexe Monitoringplattform arbeiten zu müssen, solltest du dir Beszel definitiv einmal näher anschauen. Du musst lediglich damit rechnen, für einige Funktionen noch selbst Hand anlegen zu müssen.
💡 Noch mehr Möglichkeiten mit Beszel: Es gibt zahlreiche Third-Party-Integrationen, darunter Mobile Apps für iOS und Android, eine Desktop-App sowie eine Integration für Home Assistant. Selbst für Synology-NAS-Systeme steht ein eigenes Agent-Paket zur Verfügung.

