Ein Homelab entwickelt sich mit der Zeit. Was zunächst mit ein paar Geräten und überschaubarer Infrastruktur beginnt, kann schnell größere Ausmaße annehmen. Neue Server, zusätzliche Netzwerktechnik, Storage und immer mehr Dienste sorgen dafür, dass das eigene Rack wächst. Irgendwann stellt sich allerdings die Frage, ob man wirklich noch die gesamte Hardware benötigt.
In meinem Fall war es Zeit für eine Veränderung. Mein bisheriges Setup bestand aus einem 19-Zoll-Rack, einem 1-Gbit-Netzwerk-Backbone und mehreren Geräten, die dauerhaft Strom verbraucht haben. Die Infrastruktur war zwar leistungsfähig und bot viele Möglichkeiten zum Experimentieren, allerdings hatte das Ganze auch einen erheblichen Nachteil: Die Administration entwickelte sich gefühlt zu einem Zweitjob.
Deshalb habe ich mich dazu entschieden, mein Homelab grundlegend umzubauen. Weniger Hardware, weniger Stromverbrauch und eine deutlich kompaktere Infrastruktur sollten das neue Ziel sein. Dabei wollte ich keineswegs vollständig auf die Möglichkeiten eines eigenen Homelabs verzichten. Virtualisierung, Netzwerkdienste, Backups und die Möglichkeit, neue Dinge auszuprobieren, sollten weiterhin erhalten bleiben.
1. Der Umstieg: 10 nicht 19-Zoll:

Der wohl größte Unterschied zu meinem bisherigen Setup ist das Rack selbst. Statt eines 19-Zoll-Racks kommt mittlerweile ein kompaktes 12-HE-10-Zoll-Rack zum Einsatz. Damit reduziert sich nicht nur der benötigte Platz, sondern auch die Anzahl der Geräte, die dauerhaft betrieben werden müssen.
Das Herzstück der neuen Infrastruktur bildet nur noch ein einzelner Mini-PC, der als Server für mein Homelab dient. Statt mehrere Systeme parallel zu betreiben, ist ab jetzt alles virtualisiert und auf dieser kleinen Maschine zentralisiert.
Auch beim Storage habe ich deutlich abgespeckt. Eine ältere NAS übernimmt weiterhin eine klar definierte Aufgabe: Sie dient als Backup-Ziel für mein Notebook. Auf ein großes, dauerhaft laufendes Storage-System kann ich damit zunächst verzichten.
Im Netzwerk kommt ein kleiner, managed 5-Port-Switch mit 2,5 Gbit/s zum Einsatz. VLANs nutze ich aktuell noch nicht. Die höhere Bandbreite bietet mir allerdings bereits eine gute Grundlage für schnellere Verbindungen zwischen Server und Netzwerk.
Auch das Routing habe ich vereinfacht. Statt einer separaten pfSense-Installation und eines zusätzlichen Modems übernimmt mittlerweile eine FRITZ!Box die Internetanbindung. Ergänzt wird das Setup durch einen WLAN-Access-Point, der für eine flächendeckende WLAN-Versorgung innerhalb der Wohnung sorgt.
Unterm Strich besteht mein aktuelles Homelab damit aus erstaunlich wenig Hardware:
- 12-HE-10-Zoll-Rack: Deutlich kompakter als das bisherige 18-Zoll-Rack.
- Mini-PC: Zentraler Server für Virtualisierung und Homelab-Dienste.
- Ältere NAS: Backup-Ziel für mein Notebook.
- 5-Port Managed Switch: 2,5-Gbit/s-Netzwerk, aktuell ohne VLAN-Konfiguration.
- FRITZ!Box: Internetanbindung und Router.
- WLAN-Access-Point: Flächendeckende WLAN-Versorgung in der Wohnung.
Der Umbau ist damit vor allem eine bewusste Reduzierung. Ich betreibe nicht mehr möglichst viele Geräte, sondern konzentriere mich auf die Hardware, die ich tatsächlich benötige. Das spart Platz, reduziert den Stromverbrauch und macht die gesamte Infrastruktur deutlich übersichtlicher.
Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle mein Cloud-Setup bei Hetzner. Dort betreibe ich eine ziemlich leistungsstarke VM, auf der mittlerweile rund ein Dutzend Docker-Container laufen. Auch beim Storage habe ich nicht gespart. Anwendungsbackups meiner selbst gehosteten Dienste werden über ein eigenes Skript in einen Hetzner Storage Box geschrieben.
Zusätzlich landen die VM-Backups meines lokalen Proxmox-Clusters, erstellt mit dem Proxmox Backup Server, in einem S3-kompatiblen Storage beim gleichen Anbieter. Damit verteile ich meine Infrastruktur bewusst auf zwei Standorte und habe auch für meine lokalen Systeme eine zusätzliche externe Backup-Kopie.
Weniger Hardware bedeutet nicht weniger Möglichkeiten:
Durch die Kombination aus lokaler Virtualisierung und Cloud-Ressourcen bei Hetzner kann ich meine Infrastruktur deutlich schlanker betreiben, ohne auf meine gewohnten Dienste, Flexibilität oder eine zuverlässige Backup-Strategie verzichten zu müssen.
2. Der Server – das Herzstück:

Das Herzstück meiner Infrastruktur bildet ein MINIS FORUM HM90. Angetrieben wird der Mini-PC von einem AMD Ryzen 9 4900H mit insgesamt acht Kernen und 16 Threads. Dazu kommen 32 GB Arbeitsspeicher. Für meine aktuellen Anforderungen bietet das eine ordentliche Grundlage, um mehrere virtuelle Maschinen und Container parallel zu betreiben.
Auch beim Storage habe ich eine kleine Besonderheit: Im System stecken zwei SSDs mit jeweils 1 TB Kapazität, die ich über ein klassisches Software-RAID betreibe. Auf ZFS verzichte ich bewusst. Ergänzt wird die Konfiguration durch eine separate NVMe-SSD, die zusätzlichen schnellen Speicherplatz bereitstellt.
Damit habe ich Rechenleistung, Arbeitsspeicher und Storage in einem vergleichsweise kleinen Gerät vereint. Genau das war auch das Ziel der Konsolidierung: Möglichst viel Funktionalität auf möglichst wenig Hardware zu konzentrieren und dabei den Stromverbrauch gegenüber meinem früheren Setup deutlich zu reduzieren.
Technische Eckdaten:
| Komponente: | Ausstattung: |
|---|---|
| Modell | MINIS FORUM HM90 |
| CPU | AMD Ryzen 9 4900H |
| CPU-Kerne | 8 Kerne / 16 Threads |
| Arbeitsspeicher | 32 GB RAM |
| SSD | 2 × 1 TB im Software-RAID |
| Zusätzlicher Speicher | NVMe-SSD |
| Dateisystem / RAID | Software-RAID, kein ZFS |
3. Netzwerk – 2,5 statt 1 Gbit/s:

Auch mein Netzwerk habe ich im Zuge des Umbaus deutlich verkleinert. Der bisher eingesetzte 24-Port-Switch von Zyxel wurde durch einen NETGEAR MS305E ersetzt. Dabei handelt es sich um einen Managed Switch mit fünf 2,5-Gbit/s-Ports.
Wichtig war mir vor allem, dass der Switch eine grafische Verwaltungsoberfläche und VLAN-Unterstützung mitbringt. Gerade im Homelab möchte ich mir die Möglichkeit offenhalten, mein Netzwerk bei Bedarf weiter zu segmentieren und unterschiedliche Netze voneinander zu trennen. Aktuell nutze ich allerdings noch keine VLANs.
Auf 10-Gbit/s-Ports, SFP+ oder ähnliche Erweiterungsmöglichkeiten habe ich bewusst verzichtet. In meinem aktuellen Setup gibt es schlicht keine Geräte, die eine solche Anbindung benötigen würden. Stattdessen bietet mir der MS305E mit seinen fünf 2,5-Gbit/s-Ports ausreichend Bandbreite für meinen Server und die übrigen Netzwerkgeräte.
Damit ist auch das Netzwerk meinem neuen Ansatz gefolgt: weniger Ports, weniger unnötige Ausstattung und trotzdem genügend Reserven. Das beim Switchkauf eingesparte Geld habe ich direkt in die Optik und Übersichtlichkeit der Verkabelung investiert. Farbige Netzwerkkabel erleichtern mir die Zuordnung und Nachverfolgung einzelner Verbindungen.
Ergänzt wird das Ganze durch ein Keystone-Panel, das für eine aufgeräumte und deutlich sauberere Optik im Rack sorgt. Sollte ich zukünftig einen weiteren Proxmox-Server in Betrieb nehmen, kann ich bei Bedarf zusätzliche VLANs für Corosync sowie die VM-Storage- und Live-Migration einrichten. Mehr ist nicht geplant. Die Infrastruktur soll bewusst schlank und übersichtlich bleiben.
Warum eigentlich 2,5 Gbit/s?
Etwa die 2,5-fache Bandbreite gegenüber Gigabit-Ethernet und man kann die vorhandene Cat-5e-Verkabelung weiter nutzen. Für ein kompaktes Homelab ist das ein interessanter Mittelweg: deutlich mehr Durchsatz für Dateiübertragungen, Backups und Storage-Zugriffe, ohne direkt in deutlich teurere 10-Gbit-Hardware investieren zu müssen.
4. Storage & Backup – zuverlässig:

Beim Thema Speicher setze ich mittlerweile auf eine recht einfache Lösung. Meine alte TerraMaster F2-210 ist weiterhin im Einsatz. Sie verfügt über eine 1-Gbit-Netzwerkanbindung und ist mit SMR-Festplatten bestückt. Den serienmäßigen Lüfter habe ich gegen ein leiseres Modell ausgetauscht, da mir das NAS im ursprünglichen Zustand schlicht zu laut war.
Für gelegentliche Backups meines Notebooks reicht die ältere Hardware vollkommen aus. Eine aufwendige Storage-Lösung wäre dafür schlicht überdimensioniert. Außerdem ist es eine nette Spielerei, die vorhandene Hardware weiterhin sinnvoll zu nutzen.
Bei meinen virtuellen Maschinen sieht das Backup-Konzept etwas anders aus. Hier kommt der Proxmox Backup Server zum Einsatz, der selbst als virtuelle Maschine betrieben wird. Die Backups der ausgeschalteten VMs werden täglich auf dem RAID-1-Verbund aus zwei 1-TB-SSDs im Proxmox-Host abgelegt.
Zusätzlich werden die VMs zweimal pro Woche auf einen S3-kompatiblen Storage bei Hetzner übertragen. Auch meine Container und Anwendungen sichere ich zusätzlich. Dafür habe ich ein eigenes Skript entwickelt, das täglich Anwendungsbackups erstellt und diese in eine Hetzner Storage Box überträgt.
Damit habe ich eine klare Trennung zwischen Notebook-Backups, VM-Sicherungen und Anwendungsbackups. Gleichzeitig liegen wichtige Sicherungen nicht ausschließlich auf meinem lokalen System, sondern werden zusätzlich extern aufbewahrt. Das lässt mich nachts ruhig schlafen.
Die 3-2-1-Backup-Regel:
Empfohlen werden drei Kopien der Daten auf zwei unterschiedlichen Speichermedien, davon eine Kopie an einem externen Standort. Damit lässt sich das Risiko eines vollständigen Datenverlusts deutlich reduzieren.
5. Weniger Hardware, mehr Zeit:

Der Umbau meines Homelabs hat vor allem eines gezeigt: Es muss nicht immer mehr Hardware sein. Ein großes Rack, zahlreiche Server und ein umfangreiches Netzwerk-Setup machen zwar Spaß, bringen aber auch einen höheren Stromverbrauch, mehr Wartungsaufwand und zusätzliche Komplexität mit sich.
Mit dem Wechsel auf ein kompaktes 10-Zoll-Rack und einen einzelnen Mini-PC habe ich meine Infrastruktur deutlich verschlankt. Die wichtigsten Dienste laufen weiterhin, Backups sind sowohl lokal als auch extern organisiert und auch beim Netzwerk habe ich genügend Reserven für meine aktuellen Anforderungen.
Ein weiterer Vorteil wird dabei gerne unterschätzt: Wer weniger Hardware und Dienste betreiben und warten muss, hat mehr Zeit für andere Dinge – beispielsweise für die eigene Weiterbildung. Genau diesen Freiraum nutze ich inzwischen für verschiedene technische Projekte.
So betreibe ich unter anderem ein kleines Ceph-Cluster, beschäftige mich mit einem GitOps-Setup auf Basis von Gitea und habe einen eigenen Kubernetes-Knoten mit kubeadm aufgebaut. Zusätzlich betreibe ich verschiedene Linux-Systeme, die mir bei der Vorbereitung auf die LPIC-1-Zertifizierung helfen.
Mein Homelab ist damit keineswegs langweilig geworden. Ich habe lediglich den Schwerpunkt verschoben: Weg von möglichst viel dauerhaft laufender Hardware und hin zu einer schlanken Infrastruktur, die mir mehr Zeit und Möglichkeiten für neue Technologien bietet.
Eine wichtige Erkenntnis aus 5 Jahren Homelabbing:
Am Ende muss ein Homelab nicht möglichst groß sein. Es sollte vor allem zu den eigenen Anforderungen passen – und im besten Fall auch noch bezahlbar bleiben. Unnötige Komplexität raubt den Spaß an der Sache und hält einem vom Experimentieren ab. Zeit für Zertifizierungen hat man so auch nicht.

